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Oper im MiR 3

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Oper im MiR (Saison 2018/2019)

Für die neue Saison habe ich aufgrund meines Premieren-Abos zumindest schon mal jeweils eine Vorstellung gebucht. Sicher aber werde ich mir Nabucco erneut ansehen und die Perlenfischer mehrfach genießen. Es sei denn, es gibt wieder was zum Ärgern wie beim Liebestrank... Den Eugen Onegin werde ich mir sicher verkneifen nach dem restlos verhunzten "Vetter". Dieses Mal darf sich die Lady also am Onegin vergreifen... Das lässt nichts Gutes ahnen. 

30. September 2018, Die Sternstunde des Josef Bieder - Wiederaufnahme

Dies war nun mal ein Solo-Abend mit dem wunderbaren Joachim Gabriel Maaß. Er gibt hier einen Requisiteur. Dieser kommt pfeifend zu seiner täglichen Arbeit und ist entsetzt als er plötzlich das vor ihm sitzende Publikum entdeckt. Er ruft die Disponentin an, die aber Dauergespräche führt. Da er das Publikum nicht nach Hause schicken darf, das würde ja seine Kompetenzen überschreiten, fängt er an, von seinem Beruf zu erzählen. Irgendwann erwähnt er dann, dass er ja eigentlich gerne Sänger geworden wäre, aber das habe nicht so geklappt. Er fragt, ob er mal eine Kostprobe geben dürfe, dann könne er die Leute ja auch gleich etwas unterhalten, wenn sie denn schon mal da seien.

Gesagt, getan. Er holt einen CD-Player hervor. Die Melodie erklingt, er singt die erste Arie: Prolog aus dem Bajazzo. Zum besseren Verständnis alles auf deutsch.  Zwischen weiteren Erzählungen und Anekdoten erklingen folgende weitere Arien: die des Escamillo und etwas aus den Meistersingern. Dazwischen "My Way". Immer mit passender, improvisierter Verkleidung.

Hinreißend vorgetragen. Bei der Erklärung zu einem Bühnenmesser führt er auf verschiedene Art und Weise einen "schönen" Bühnentod vor. 

Das Publikum war echt begeistert. Am Ende ruft die Disponentin zurück und lässt ausrichten, die Leute möchten doch bitte gehen, es gäbe keine Vorstellung. Ein toller Abschluss eines köstlichen und unterhaltsamen Abends!

Es war ein wunderbarer Saison-Beginn! Gerne mehr davon!

06. Oktober 2018, Mass von Leonard Bernstein  - Premiere

Ich gebe zu, hätte ich dieses Stück nicht in meinem Premieren-Abo, ich weiß nicht, ob ich es mir angesehen hätte. Aber ich hätte sehr viel verpasst!

Im Vorfeld hatte man mich angerufen und mir mitgeteilt, ich säße nicht auf meinem angestammten Platz, sondern in der zweiten Reihe, die erste Reihe benötige man für die Regie. Ich war gespannt.

Nun, die erste Reihe war für die Gläubigen des Celebranten gedacht. Dies waren sämtliche Sänger des Ensembles, alle in normaler Privatkleidung.  Dabei hatte ich die Gelegenheit, mich mit Henrik Wager und Joachim Gabriel Maaß zu unterhalten. Wann hat man mal die Gelegenheit, ohne an der Bühnentür zu stehen, was ich ablehne, denn die Künstler brauchen auch ihren Feierabend. 

Worum geht es hier? Nun, um eine Messe, allerdings szenisch aufgeführt. Offen gesagt konnte ich mir darunter nichts vorstellen und ließ mich überraschen. 

Der Celebrant, super dargestellt von Henrik Wager, beginnt mit dem Gottesdienst. Es erklingen sakrale Melodien. In der Gemeinde, bestehend aus Sängern und Tänzern, herrscht wunderbare Harmonie. Im Laufe der Zeit kommen jedoch Zweifel an dem Ganzen auf, es ertönen Misstöne, was sich immer mehr verstärkt. Man hatte mehrere Musikensembles: einerseits die Philharmonie, andererseits eine Bläser-Gruppe und andererseits eine Band mit modernen Instrumenten. Neben dem Opernchor gab es einen Projekt-Chor und einen Knabenchor.

Am Ende liegt die Welt des Celebranten in Scherben, seine Glaubwürdigkeit ist dahin. Mit einem neuen Celebranten versucht man von vorn zu beginnen.

Die Musik war sakraler Natur, opernhaft und poppig. Henrik Wager ist eine Offenbarung, das muss man einfach feststellen. Er kann einfach alles singen, kein Wunder bei der klassischen Ausbildung, die er genossen hat. Und er ist ein gnadenlos großartiger Darsteller. Er allein schon ist ein guter Grund, sich diese Vorstellung unbedingt einmal anzusehen und anzuhören.

Ein hinreißender Premierenabend mit einem restlos begeisterten Publikum. Ich bin sehr froh, dass ich das erleben durfte!

01. November 2018, Nabucco von Giuseppe Verdi

Auf Wunsch meines Mannes besuchten wir die heutige Vorstellung, da er in der letzten Saison nicht mitgehen wollte. Ich bin dem Wunsch ja sehr gerne nachgekommen. 

Es gab zwei Neubesetzungen: 

Fenena wurde gesungen von Lina Hoffmann, die mir heute ausnahmslos gut gefiel. Stimme hat die Gute ja, das habe ich immer gesagt. Darstellerisch war sie auch sehr gut! Der Oberpriester des Baal wurde dargestellt von Michael Heine. Er hat eine tolle Stimme, aber in dem Kostüm wirkte er irgendwie ein wenig unglücklich, da es nicht zu ihm passte. Merke, was dem einen steht, muss dem anderen nicht auch stehen. Vielleicht sollte man da etwas flexibler sein? Also, gesanglich war er klasse, darstellersich nicht so wirklich.

Wir hatten wieder einen hinreißenden Opernabend.

24. November 2018, Die Königskinder von Engelbert Humperdinck  - Premiere

Die Oper kannte ich nur dem Namen nach und war schon neugierig, ob sie mir so gut gefallen würde wie "Hänsel und Gretel".

Nun, ich bin mit gemischten Gefühlen nach Hause gegangen: Die "Regie" enttäuschte auf der ganzen Linie. Auch wenn ich keine Vergleichsmöglichkeit hatte, SO lieblos muss man das Bühnenbild nun wirklich nicht hinklatschen. Dafür benötigt man doch kein Team. Das hätte jeder hinbekommen: ein paar Parkbänke, ein paar Stehlampen, eine Treppe, Papierkörbe und Balken. "Super", echt. Ich hatte es für mich so interpretiert, dass dies die empathielose, kalte und oberflächliche Gesellschaft als Gegenpol zu dem einfältigen Königskinderpaar darstellen sollte. Dennoch, das hätte man besser und viel schöner machen können, ohne gleich kitschig zu werden. Note 6, setzen, beim nächsten Mal besser machen! Beim Publikum fiel das Machwerk auch restlos durch 

Der Inhalt dürfte hinreichend bekannt sein, daher erspare ich mir hier eine Schilderung, zumal diese dumme Regie ohnehin nicht zum Inhalt passte.

Die Musik selber ist sehr schön und lädt stellenweise zum Träumen ein. Konzertant wäre es gewiss ein schönerer Genuss geworden.

Die Darsteller waren rundweg bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend:

  • Der Königssohn - Martin Homrich - heute gefiel er mir wieder sehr gut. Solche Rollen, wie ja auch der König in "die Frau ohne Schatten", passen ausgezeichnet zu ihm. Er bekam auch viel Applaus.
  • Die Gänsemagd - Bele Kumberger - hinreißend, super, wirklich super
  • Der Spielmann - Petro Ostapenko - wow, was für eine klasse Stimme und super Darsteller! Freue mich schon auf seinen nächsten Einsatz
  • Die Hexe - Almuth Herbst - diese Frau ist ein Phänomen, einfach nur klasse und so wandlungsfähig. Ein Genuss!
  • Der Holzhacker - Urban Malmberg - gab diesen Widerling wirklich ausgezeichnet
  • Der Besenbinder - Tobias Glagau - klasse, er steigert sich immer mehr. Gefiel mir ausgezeichnet
  • Der Wirt - John Lim - super! Diese Stimme weckt Lust auf mehr
  • Musikalische Leitung - Rasmus Baumann
  • Inszenierung - Tobias Ribitzki
  • Bühne und Kostüme - Kathrin-Susann Brose
  • Licht - Patrick Fuchs
  • Dramaturgie - Olaf Roth, Gabriele Wiesmüller
  • Choreinstudierung - Alexander Eberle

Es war sicher, schon wegen der Sänger und der schönen Musik, kein ganz verlorener Abend, aber ich bin schon begeisterter nach Hause gefahren. Es bleibt bei diesem einen Mal! Viele Zuschauer hatten schon in der Pause das Weite gesucht, so dass etliche Plätze leer blieben.

Ich freue mich jetzt auf die "Perlenfischer", was garantiert ein Genuss wird.

 

 

 

 

 

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