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Oper im MiR 4

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Oper im MiR (Saison 2019/2020)

Die neue Saison ist für mich dieses Mal persönlich nicht sehr ansprechend. Lediglich "Die Macht des Schicksals" und "Madama Butterfly" sind echte Highlights. Auch "Die Sache Makropoulos" schaue ich mir mal an, klingt vom Inhalt her interessant. Und so werde ich dann die genannten Highlights mehrere Male anschauen und mir den Rest verkneifen. 

Meine erste Vorstellung wird sein "Die Sache Makropoulos" am 07. Dezember 2019.

28. September 2019, Frankenstein von Jan Dvořák Premiere

Ursprünglich wollte ich mir dieses Stück gar nicht ansehen, da ich da etwas falsch verstanden hatte: ich hatte angenommen, es sei ein reines Puppentheater mit Sängern im off. Aber dann sah ich ja, dass nur das "Monster" eine Figur ist. Also ging ich neugierig hin und wurde nicht enttäuscht. Der Inhalt ist weitgehend bekannt.

Die Bühne ist so gestaltet, dass alles aussieht wie ein Hör- oder Gerichtssaal. Geradeaus ist eine Tür, durch die die Darsteller kommen, ebenso links und rechts oben. Schöne Kostüme aus der damaligen Zeit: 1798. Sehr passend und schön anzusehen. Zunächst sind oben auf einer Art Balkon drei junge Künstlerinnen. Wenig später erkennt man, dass es die drei Damen sind, die das Monster führen und leiten. Dr. Viktor Frankenstein sieht man nur von hinten. Das von ihm geschaffene Wesen wird von den Damen enthüllt, Frankenstein ist entsetzt über das Ergebnis und überlässt sein Geschöpf sich selbst. Nicht sehr menschlich, hat er es doch geschaffen, und wenn das Ergebnis nicht gut ist, liegt es ja an ihm selber. Nicht schön, sich so aus der Verantwortung zu ziehen. Man hat echtes Mitleid mit dem Wesen.

Es wird eine Geschichte in der Ich-Form erzählt, und zwar durch die drei Damen, dann Viktor. Das Wesen versucht sich den Menschen, denen er sich verbunden fühlt, anzunähern. Ein kleines Mädchen ist ihm gegenüber ganz unbefangen, aber die Erwachsenen verjagen es. Er sucht nun die Nähe des verarmten und blinden Delacey. Dessen Tochter Elisabeth ist mit Viktor verlobt. Je sicherer er sich fühlt, desto mehr geht er aus sich heraus. Leider lässt man ihn am Leben der anderen nicht teilhaben. In Notwehr tötet er drei Handwerker. Darauf schwört es Rache an der gesamten Menschheit.

Als er einen kleinen Jungen beim Spielen sieht und erfährt, dass es Viktors Bruder Wilhelm ist, tötet er ihn. Um nicht gefangen genommen zu werden, da sicher der Verdacht auf ihn gefallen wäre, nimmt er ein Schmuckstück des kleinen Jungen und steckt es Justine, dem Kindermädchen, zu und flüchtet. Vater Frankenstein informiert Viktor in einem Brief über den Tod des Bruders.

Viktor war lange fort und kommt nun nach der Meldung nach Hause. Er ahnt sehr wohl, dass sein Geschöpf den Mord begangen hat und ist entsetzt darüber, dass man Justine den Mord zutraut. Vergeblich versucht er sie zu verteidigen. Sie sitzt im Gefängnis und wird zum Tode verurteilt. Delacey, inzwischen rehabilitiert, und Elisabeth, die nun endlich Viktors Frau werden soll, versuchen Justine zu helfen. Die jedoch ist bereit zu sterben. An den Hängen des Montblanc treffen Victor und das Wesen zusammen. Es bettelt zunächst erneut um Viktors Liebe, es ist einsam, niemand will Kontakt zu ihm haben. Viktor lehnt aber schroff ab. Darauf verlangt es von Viktor eine Gefährtin. Viktor willigt nach langem Zaudern ein.

In einem Labor auf den Orkney-Inseln hat Viktor die gewünschte Gefährtin für das Wesen geschaffen und übergibt ihm diese. Die Freude ist groß. Dumm nur, dass Viktor Angst hat, die zwei könnten Nachkommen zeugen, weshalb er die Frau zerstört. Daraufhin schwört das Wesen Rache und droht ihm, ihm ins Brautgemach zu folgen. Die Hochzeit und die Brautnacht werden ein Horrortrip für Viktor, und er gesteht Elisabeth, dass er ein dunkles Geheimnis habe. Mit seinem anderen Bruder Ernst verlässt er sie, um das Wesen zu suchen. Dieses dringt ins Gemach ein und tötet Elisabeth, nachdem Viktor ja seine Gefährtin getötet hatte.

Viktors Vater ist vor Gram gestorben. Viktor will das Wesen zu einem Kampf auf Leben und Tod zwingen. Seine Jagd führt ihn bis zum Nordpol. Sein Geschöpf spielt mit ihm Katz und Maus. Sehr erschöpft von der erfolglosen Jagd trifft Viktor auf den Forschungsreisenden Walton, der ihn auf sein Schiff aufnimmt. Da das Wetter immer schlechter zu werden droht, bittet die Mannschaft, die Expedition abzubrechen und nach Hause zu fahren. Der Kapitän stimmt zu. Viktor zieht die Bilanz seines Lebens und stirbt. Nun kommt das Wesen aus seinem Versteck und nimmt Abschied vom "Vater". Es nimmt sich vor, in die Wildnis zu ziehen, Holz zu sammeln und sich selber anzuzünden und diese Welt, auf der es unerwünscht ist, zu verlassen.

Ein trauriges Ende. 

Die Musik ist für mich teils, teils gewesen: einerseits gibt es schöne Arien und angenehme Melodien, andererseits auch seltsame Töne und monotonen Sprechgesang. Das "Monster" wurde durch die drei Damen in der Form mit Leben gefüllt, indem es bei einer am Bauch befestigt ist und mit ihren Füßen und Beinen seine Beine bewegt. Arme und Kopf werden von den anderen beiden mittels am Körper des Wesens befestigten Stangen in Bewegung gebracht. Das sah für mich nach Schwerstarbeit aus.

Und dies war die Premierenbesetzung:

Das Monster - Evi Arnsbjerg Brygmann, Bianka Drozdik, Eileen von Hoyningen Huene - wow, das war richtig, richtig klasse. Super in der Bewegungsführung und beim Erzählen. Ausgezeichnete Leistung

  • Viktor Frankenstein - Piotr Prochera - hinreißend! Ich mag ja nicht nur seine Stimme, sondern auch seine Bühnenpräsenz und Darstellung. Er ist so gnadenlos gut, dass er, falls es mit dem Singen mal nicht mehr klappt, auf jeder Schauspielbühne Erfolge feiern würde. Ich mag auch seine Art zu sprechen. Einsame Spitze
  • Elisabeth Delacey - Bele Kumberger - ausgezeichnet und wunderschön gesungen und dargestellt. Gefiel mir wieder sehr
  • Alois Frankenstein, Bauernvater - Urban Malmberg - sehr gut und überzeugend
  • Vater Delacey, Priester, alter Fischer, Kapitän Walton - Michael Tews - gefiel  mir auch sehr
  • Ernst Frankenstein, Bauer, junger Fischer, Maat - Tobias Glagau - wirklich ausgezeichnet 
  • Vogel, Bäuerin, Deinstmädchen, Chor-Sopran - Sina Jacka - schöne Stimme
  • Justine, Bauernmutter, 1. Handwerker, Chor-Alt - Rina Hirayama - schöne Stimme
  • Bauer, 2. Handwerker, 1. Matrose, Chor-Tenor - Benjamin Hoffmann - angenehme Stimme
  • 2. Matrose, Chor-Bass - John Lim - gefiel mir wieder sehr
  • Bauernkind, Wilhelm Frankenstein - Solist des Knabenchores der Chorakademie Dortmund
  • Musikalische leitung - Giuliano Betta
  • Inszenierung - Sebastian Schwab
  • Bühne - Britta Tönne
  • Kostüme - Rebekka Dornhege Reyes
  • Licht - Thomas Ratzinger
  • Ton - Marco Brinkmann
  • Dramaturgie - Olaf Roth
  • Puppenbau - Karin Tiefensee, Ingo Mewes
  • Puppencoaching - Astrid Griesbach, Gloria Iberl-Thieme

Es ist sicher keine Oper, die ich mir erneut ansehen werde, da es eben nicht das Gewohnte ist. Dennoch hat sich der Besuch gelohnt, ich bin froh, meine Entscheidung nicht hingehen zu wollen, revidiert hatte. ich empfehle, sich dieses spannende Stück ruhig mal anzusehen. Ist mal etwas anderes. Und Piotr Prochera ist es sowieso wert! Er bekam mit den drei Puppenspielerinnen den meisten Applaus. Ich hatte den Eindruck, dass das Publikum, das geblieben war - einige waren während der Aufführung und in der Pause bereits gegangen, ausverkauft war es auch nicht, das Stück einhellig und mit großem Applaus angenommen hat.

Die nächste Premiere, Ballett, besuche ich nicht, damit kann ich nichts anfangen.

 

 

 

 

 

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