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Oper im MiR 4

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Oper im MiR (Saison 2019/2020)

Die neue Saison ist für mich dieses Mal persönlich nicht sehr ansprechend. Lediglich "Die Macht des Schicksals" und "Madama Butterfly" sind echte Highlights. Und so werde ich dann die genannten Highlights mehrere Male anschauen und mir den Rest verkneifen. 

 

28. September 2019, Frankenstein von Jan Dvořák - Premiere

 

Ursprünglich wollte ich mir dieses Stück gar nicht ansehen, da ich da etwas falsch verstanden hatte: ich hatte angenommen, es sei ein reines Puppentheater mit Sängern im off. Aber dann sah ich ja, dass nur das "Monster" eine Figur ist. Also ging ich neugierig hin und wurde nicht enttäuscht. Der Inhalt ist weitgehend bekannt.

 

Die Bühne ist so gestaltet, dass alles aussieht wie ein Hör- oder Gerichtssaal. Geradeaus ist eine Tür, durch die die Darsteller kommen, ebenso links und rechts oben. Schöne Kostüme aus der damaligen Zeit: 1798. Sehr passend und schön anzusehen. Zunächst sind oben auf einer Art Balkon drei junge Künstlerinnen. Wenig später erkennt man, dass es die drei Damen sind, die das Monster führen und leiten. Dr. Viktor Frankenstein sieht man nur von hinten. Das von ihm geschaffene Wesen wird von den Damen enthüllt, Frankenstein ist entsetzt über das Ergebnis und überlässt sein Geschöpf sich selbst. Nicht sehr menschlich, hat er es doch geschaffen, und wenn das Ergebnis nicht gut ist, liegt es ja an ihm selber. Nicht schön, sich so aus der Verantwortung zu ziehen. Man hat echtes Mitleid mit dem Wesen.

 

Es wird eine Geschichte in der Ich-Form erzählt, und zwar durch die drei Damen, dann Viktor. Das Wesen versucht sich den Menschen, denen er sich verbunden fühlt, anzunähern. Ein kleines Mädchen ist ihm gegenüber ganz unbefangen, aber die Erwachsenen verjagen es. Er sucht nun die Nähe des verarmten und blinden Delacey. Dessen Tochter Elisabeth ist mit Viktor verlobt. Je sicherer er sich fühlt, desto mehr geht er aus sich heraus. Leider lässt man ihn am Leben der anderen nicht teilhaben. In Notwehr tötet er drei Handwerker. Darauf schwört es Rache an der gesamten Menschheit.

 

Als er einen kleinen Jungen beim Spielen sieht und erfährt, dass es Viktors Bruder Wilhelm ist, tötet er ihn. Um nicht gefangen genommen zu werden, da sicher der Verdacht auf ihn gefallen wäre, nimmt er ein Schmuckstück des kleinen Jungen und steckt es Justine, dem Kindermädchen, zu und flüchtet. Vater Frankenstein informiert Viktor in einem Brief über den Tod des Bruders.

 

Viktor war lange fort und kommt nun nach der Meldung nach Hause. Er ahnt sehr wohl, dass sein Geschöpf den Mord begangen hat und ist entsetzt darüber, dass man Justine den Mord zutraut. Vergeblich versucht er sie zu verteidigen. Sie sitzt im Gefängnis und wird zum Tode verurteilt. Delacey, inzwischen rehabilitiert, und Elisabeth, die nun endlich Viktors Frau werden soll, versuchen Justine zu helfen. Die jedoch ist bereit zu sterben. An den Hängen des Montblanc treffen Victor und das Wesen zusammen. Es bettelt zunächst erneut um Viktors Liebe, es ist einsam, niemand will Kontakt zu ihm haben. Viktor lehnt aber schroff ab. Darauf verlangt es von Viktor eine Gefährtin. Viktor willigt nach langem Zaudern ein.

 

In einem Labor auf den Orkney-Inseln hat Viktor die gewünschte Gefährtin für das Wesen geschaffen und übergibt ihm diese. Die Freude ist groß. Dumm nur, dass Viktor Angst hat, die zwei könnten Nachkommen zeugen, weshalb er die Frau zerstört. Daraufhin schwört das Wesen Rache und droht ihm, ihm ins Brautgemach zu folgen. Die Hochzeit und die Brautnacht werden ein Horrortrip für Viktor, und er gesteht Elisabeth, dass er ein dunkles Geheimnis habe. Mit seinem anderen Bruder Ernst verlässt er sie, um das Wesen zu suchen. Dieses dringt ins Gemach ein und tötet Elisabeth, nachdem Viktor ja seine Gefährtin getötet hatte.

 

Viktors Vater ist vor Gram gestorben. Viktor will das Wesen zu einem Kampf auf Leben und Tod zwingen. Seine Jagd führt ihn bis zum Nordpol. Sein Geschöpf spielt mit ihm Katz und Maus. Sehr erschöpft von der erfolglosen Jagd trifft Viktor auf den Forschungsreisenden Walton, der ihn auf sein Schiff aufnimmt. Da das Wetter immer schlechter zu werden droht, bittet die Mannschaft, die Expedition abzubrechen und nach Hause zu fahren. Der Kapitän stimmt zu. Viktor zieht die Bilanz seines Lebens und stirbt. Nun kommt das Wesen aus seinem Versteck und nimmt Abschied vom "Vater". Es nimmt sich vor, in die Wildnis zu ziehen, Holz zu sammeln und sich selber anzuzünden und diese Welt, auf der es unerwünscht ist, zu verlassen.

 

Ein trauriges Ende. 

 

Die Musik ist für mich teils, teils gewesen: einerseits gibt es schöne Arien und angenehme Melodien, andererseits auch seltsame Töne und monotonen Sprechgesang. Das "Monster" wurde durch die drei Damen in der Form mit Leben gefüllt, indem es bei einer am Bauch befestigt ist und mit ihren Füßen und Beinen seine Beine bewegt. Arme und Kopf werden von den anderen beiden mittels am Körper des Wesens befestigten Stangen in Bewegung gebracht. Das sah für mich nach Schwerstarbeit aus.

 

Und dies war die Premierenbesetzung:

 

Das Monster - Evi Arnsbjerg Brygmann, Bianka Drozdik, Eileen von Hoyningen Huene - wow, das war richtig, richtig klasse. Super in der Bewegungsführung und beim Erzählen. Ausgezeichnete Leistung

  • Viktor Frankenstein - Piotr Prochera - hinreißend! Ich mag ja nicht nur seine Stimme, sondern auch seine Bühnenpräsenz und Darstellung. Er ist so gnadenlos gut, dass er, falls es mit dem Singen mal nicht mehr klappt, auf jeder Schauspielbühne Erfolge feiern würde. Ich mag auch seine Art zu sprechen. Einsame Spitze
  • Elisabeth Delacey - Bele Kumberger - ausgezeichnet und wunderschön gesungen und dargestellt. Gefiel mir wieder sehr
  • Alois Frankenstein, Bauernvater - Urban Malmberg - sehr gut und überzeugend
  • Vater Delacey, Priester, alter Fischer, Kapitän Walton - Michael Tews - gefiel  mir auch sehr
  • Ernst Frankenstein, Bauer, junger Fischer, Maat - Tobias Glagau - wirklich ausgezeichnet 
  • Vogel, Bäuerin, Deinstmädchen, Chor-Sopran - Sina Jacka - schöne Stimme
  • Justine, Bauernmutter, 1. Handwerker, Chor-Alt - Rina Hirayama - schöne Stimme
  • Bauer, 2. Handwerker, 1. Matrose, Chor-Tenor - Benjamin Hoffmann - angenehme Stimme
  • 2. Matrose, Chor-Bass - John Lim - gefiel mir wieder sehr
  • Bauernkind, Wilhelm Frankenstein - Solist des Knabenchores der Chorakademie Dortmund
  • Musikalische leitung - Giuliano Betta
  • Inszenierung - Sebastian Schwab
  • Bühne - Britta Tönne
  • Kostüme - Rebekka Dornhege Reyes
  • Licht - Thomas Ratzinger
  • Ton - Marco Brinkmann
  • Dramaturgie - Olaf Roth
  • Puppenbau - Karin Tiefensee, Ingo Mewes
  • Puppencoaching - Astrid Griesbach, Gloria Iberl-Thieme

 

Es ist sicher keine Oper, die ich mir erneut ansehen werde, da es eben nicht das Gewohnte ist. Dennoch hat sich der Besuch gelohnt, ich bin froh, meine Entscheidung nicht hingehen zu wollen, revidiert hatte. ich empfehle, sich dieses spannende Stück ruhig mal anzusehen. Ist mal etwas anderes. Und Piotr Prochera ist es sowieso wert! Er bekam mit den drei Puppenspielerinnen den meisten Applaus. Ich hatte den Eindruck, dass das Publikum, das geblieben war - einige waren während der Aufführung und in der Pause bereits gegangen, ausverkauft war es auch nicht, das Stück einhellig und mit großem Applaus angenommen hat.

 

Die nächste Premiere, Ballett, besuche ich nicht, damit kann ich nichts anfangen.

01. Januar 2020, Neujahrskonzert

 

... the same procedure as every year... Traditionsgemäß haben wir das Neujahrskonzert besucht, das dieses Mal unter dem Motto stand "Espresso und Wiener Mélange". 

 

Nachstehend das Programm:

Es war, wie immer, ein spritziger, humorvoller und wunderbarer Auftakt ins neue Jahr! 

22. Januar 2020, Die Macht des Schicksals von Giuseppe Verdi - Premiere

 

Im Vorfeld hatte ich mich schon etwas über die neue Inszenierung informiert. Man konzentriert sich auf die Schicksale der drei Hauptpersonen Leonora, Don Carlo, Don Alvaro. Es ist vieles umgestellt worden, Dinge ergänzt. Interessant.

 

Das Bühnenbild ist spartanisch: der Chor und die einzelnen Akteure sitzen bis zu ihrem Einsatz hinten wie auf einer Tribüne, Requisiten sind Metalltisch und-stühle. Zwischendurch sieht man einen Vorhang aus langen Fäden, manchmal fährt eine schwarze Wand herunter. Reicht bei der tollen Musik, der spannenden Handlung und dem hinreißenden Ensemble.

 

Es beginnt also mit einem Introitus mit einem Stück aus der Marienvesper von Monteverdi. Wunderschöne Musik! Dazu folgt eine Marienprozession. Himmlisch schön! Anschließend befindet man sich im Palast der Calatrava. Der Marchese di Calatrava von seiner Tocher Leonora zur Nacht. Er weiß nicht, dass sie plant, mit ihrem Geliebten Don Alvaro zu fliehen. Dieser ist dem Vater alles andere als angenehm, hält er ihn doch (zu Unrecht) von niederem Stand. Nach der Abschiedsszene plagen Leonora Gewissensbisse und sie zögert. Don Alvaro erscheint und will sie beschwichtigen. Leider erscheint ihr Vater nochmals auf der Bildfläche, sieht den verhaßten Liebhaber seiner Tochter und will ihn rauswerfen lassen. Don Alvaro hat aber bekanntlich friedliche Absichten. Er will seine Waffe zum Zeichen des Friedens übergeben. Dabei löst sich der verhägnisvolle Schuss, der den Marchese tötet. Er flüchtet vom Ort des Geschehens. Bevor Leonora es ihm gleichtun kann, erscheint ihr Bruder Don Carlo und schwört ewige Rache.

 

Nun erst folgt die eigentliche Ouvertüre.

 

Es folgt die Szene mit der Dorfschenke. Don Carlo ist seiner Schwester auf der Spur, sie aber kann unerkannt fliehen. Die Zigeunerin Preziosilla kündigt den kommenden Krieg an. Die Leute sind begeistert, will man doch die Feinde endlich loswerden. Der Geschichte Don Carlos, er sei ein Student und der Geschichte über den Tod des Marchese schenkt sie keinen Glauben. Sie scheint mehr zu wissen, nämlich dass er mitnichten ein Student ist. Dann kommen Pilger, die zum nahegelegenen Kloster möchten.

 

Man sieht nun das Feldlager. Der Krieg ist tatsächlich ausgebrochen. Don Alvaro hat einen anderen Namen angenommen und ist, im Glauben Leonora sei tot, zum Militär gegangen, um dort möglichst den Tod zu finden. Er schließt Freundschaft mit einem Offizier, der ebenfalls unter falschem Namen dort ist. In der Schlacht wird Don Alvaro verwundet. Auf dem Operationstisch übergibt er dem Freund ein Bündel Briefe mit der Bitte, diese im Fall seines Todes zu vernichten. Don Carlo kann seine Neugier nicht bezwingen und schaut nach weiteren Hinweisen zu den Fremden, ohne den Schwur zu brechen. Er findet ein Foto seiner Schwester. Nun wünscht err sich, dass Don Alvaro überlebt, damit er ihn selber zur Strecke bringen kann.

 

Es folgt erneut ein Stück aus der Marienvesper.

 

Man befindet sich im Kloster. Leonora hat sich dorthin geflüchtet und bittet um Beistand. Sie will dort den Rest ihres Lebens als Eremit in einer Klause verbringen, wo ihr von nun an kein menschliches Wesen mehr begegnen wird.

 

Im Feldlager konfrontiert Don Carlo seinem Feind Don Alvaro damit, dessen wahre Identität zu kennen und gibt zu, dass er Don Carlo di Vargas ist. Er fordert ihn zum Duell auf. Don Alvaro beteuert vergeblich, unschuldig zu sein, und dass alles ein Unfall war. Ihr Streit wird vom Erscheinen des Mönches Fra Melitone unterbrochen. Er beklagt den Krieg und die Rohheit der Menschheit. Man nimmt ihn nicht ernst. 

 

Nun folgt das Dies Irae, Dies Illa aus Verdis Requiem. Dazu erscheinen skurille Figuren, Engel entzünden Feuerfackeln. 

 

Am Ende befindet man sich erneut im Kloster. Der Krieg ist endlich vorüber, aber die Menschen haben alles verloren und werden im Kloster von Fra Melitone und Fra Raffaele (Don Alvaro) mit Essen versorgt. Genau dort befindet sich ja auch Leonora. Beide wissen voneinander aber nichts. Don Carlo hat Don Alvaros Spur gefunden und fordert ihn erneut und unerbittlich zum Duell auf. Nach etlichen Beleidigungen lässt sich Don Alvaro auf das Duell ein.. Auch Leonora kann keinen Frieden finden. Sie wird Zeuge des Streits, bei dem ihr Bruder, ebenfalls durch einen versehentlichen Schuss, getötet wird. Don Alvaro will, dass ein Geistlicher zu Don Carlo kommt. Da niemand zu finden ist, fällt ihm aber der Eremit ein und klopft an die Klause. Leonora erscheint, die zwei erkennen einander wieder. Als sie zu ihrem Bruder geht, wird sie von ihm erschossen. Don Alvaro bleibt allein zurück.

 

Richtig schön dramatisch, dazu diese überirdisch schöne Musik, die einen förmlich schweben lässt.

 

Und dies war die hinreißende Premierenbesetzung:

  • Der Marchese di Calatrava/Padre Guardiano - Luciano Batinićklasse Stimme, ideale Besetzung für die beiden Partien
  • Leonora di Vargas - Petra Schmidt - eine Sternstunde. Sie sang diese schwierige Partie hinreißend und interpretierte sie außergewöhnlich gut, ja perfekt. Klasse
  • Don Carlo di Vargas - Bastiaan Everink - klasse! Er war ja schon als Nabucco so toll. Heute übertraf er sich glatt selber.  Er hat eine richtig tolle Stimme
  • Don Alvaro - Timothy Richards - ein alter Bekannter: er sang früher oft in Dortmund (so um 2005-2007, und er sprang hier im MiR in dieser Zeit auch mal als fulminanter Rodolfo ein. Er verfügt über eine hinreißende Stimme, die ungemein angenehm im Ohr klingt. Er hätte sehr gerne noch weiter singen können, auch gerne im Duett mit Herrn Everink und Frau Schmidt. Eine absolut perfekte Besetzung dieser schwierigen Partie. Wäre schön, ihn mal wieder hier im Revier in einer anderen Partie hören zu können.
  • Preziosilla - für die erkrankte Almuth Herbst (schade!!!) übernahm Khatuna Mikaberizde - sie gefiel mir persönlich nicht so gut. Vielleicht lag es am Kostüm, aber sie wirkte auf mich wie eine Matrone, ihre Stimme empfand ich als zu spitz und schrill. Das hätte Frau Herbst besser gemacht. Darstellerisch war sie mir auch zu aufgesetzt. Nicht mein Fall. Leider
  • Fra Melitone - Piotr Prochera - es ist ja keine allzu große Rolle, aber gestaltete diese Buffopartie sehr edel und hervorragend wie immer
  • Curra - Rina Hirayama - schön gesungen
  • Mastro Trabucco - Khanyiso Gwenxane - sehr schön gesungen und dargestellt
  • Ein Wirt/ein Chirurg - John Lim - klasse gesungen und dargestellt
  • Musikalische Leitung - Giuliano Betta
  • Inszenierung - Michael Schulz
  • Bühne - Dirk Becker
  • Kostüme - Renée Listerdal
  • Chor - Alexander Eberle
  • Licht - Patrick Fuchs
  •  

Also, uns hat diese Neuinszenierung sehr gefallen, und wir werden noch weitere Vorstellungen besuchen. Das Publikum feierte die Künstler, Herr Schulz musste einige Buihs einstecken. Schade. Das Konzept war doch sehr gut verständlich, und durch die extra eingefügten Werke von Monteverdi und Verdi war die Oper noch schöner.

 

Es war ein eindrucksvoller, spannender und ergreifender Premierenabend!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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