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Ruhrfestspiele 2015

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Die Ruhrfestspiele sind inzwischen für mich immer bedeutender geworden, dass ich mich dazu entschlossen habe, diesen Bereich separat zu führen:

 

13. Mai 2015, L.O.V.E. - A tribute to Nat King Cole, RFS (Ratsstuben)

Heute gab es für mich mal wieder ein Kontrastprogramm, woran ich ja immer wieder Freude habe. Was genau mich erwartete, wusste ich so nicht, aber Nat King Cole kenne ich ja und auch einige seiner Lieder, ohne deren Titel zu kennen. Die ausgewählte Location war sehr ansprechend und passend: der Ratskeller in Recklinghausen - ein hübsches Lokal mit einem angenehmen Ambiente. In dem Lokal gibt es einen Extraraum, der ein wenig aussieht wie ein Kellergewölbe, an den Decken hingen alte Kronleuchter, das Ganze recht klein für ca. 70 Zuschauer. Reichte aber aus, denn es war ausverkauft, viel mehr wären es für so ein Nischenprodukt nicht geworden, und in einem halb leeren Zelt zu stehen, macht sicher wenig Freude. Hier hatte man für eine schöne Atmosphäre gesorgt, und die 4 Musiker aus Frankreich boten eine sehr schöne Show mit manchem Schmunzeleffekt. Ich zitiere mal von der Hompegae der RFS:

Was hat Nat King Cole in Frankreich zu suchen? Einiges, wenn es nach diesem charmanten Ensemble geht: L.O.V.E. erzählt von der Reise eines französischen Pianisten nach New York, wo er endlich swingen darf in einer Band, nur bloß nicht auf Französisch! Dabei stellt er erstaunt fest, dass die große Swing-Legende Nat King Cole, dessen Songs seine neue Band ausschließlich interpretiert, von Franzosen abgekupfert hat.
Dieser unterhaltsame und musikalisch ausgezeichnete Abend zeigt uns, dass neben Liebe auch Musik zur Völkerverständigung hilft. Perlen aus dem Repertoire von Nat King Cole werden hier aneinandergereiht: Stormy Weather oder Route 66 dürfen da ebenso wenig fehlen wie der Cole-Klassiker Smile und der Titelsong L.O.V.E.. Das erstklassige Jazztrio um die bezaubernde warme Stimme der jungen Sängerin Flore Benguigui lässt den Zuschauer eintauchen in eine andere, vergangene Welt. Eine charmantere Hommage an den großen »King of Swing« gibt es wohl kaum!

Mir hat dieser Abend richtig gut gefallen. Schöne Musik in angenehmer Atmosphäre, sehr nette Künstler. Einfach nur schön!

23. Mai 2015, Antigone (in englischer Sprache) von Sophokles, RFS

Diese antike Tragödie kannte ich bislang nur dem Namen nach und war entsprechend gespannt darauf. Ich gebe gerne zu, dass ich das Stück in erster Linie wegen Juliette Binoche gebucht hatte. Die Regie kam in einer ersten Kritik, die ich vorweg gelesen hatte, nicht gut weg, dazu kann ich nichts sagen, da ich keinerlei Vergleiche habe. Mir gefiel das Ganze ausgezeichnet. Die Darsteller sprachen sehr deutlich, so dass man den Text sehr gut verstehen konnte. Das Bühnenbild ließ vermuten, dass man in einer gehobenen Chefetage war, alles in schwarz, edle Büromöbel. Im Hintergrund die schwarze Wand, auf der bei Bedarf Videos gezeigt wurden. In der Mitte war ein rundes Loch, das mit einer Scheibe zunächst verschlossen war, später aber sich öffnete, und je nach Stimmung wechselten die Farben. Die Kostüme waren normale Alltagskleidung, wenig Farbe. Passte alles gut zusammen. Auch der Text war moderner abgefasst, somit halt noch verständlicher, als wenn man gestelztes Englisch gewählt hätte.

Nachstehend mal der Inhalt, der sicher nicht jedem bekannt sein dürfte - einen Chor gab es nicht, weshalb ich die Passagen aus der Inhaltsangabe gestrichen habe - (Quelle: Wikipedia)

Das Stück spielt in mythischer Vorzeit im Stadtstaat Theben (Böotien) in Griechenland.

Vorgeschichte

Hintergrund ist das Unheil, das seit drei Generationen über dem Herrschergeschlecht von Theben hängt, dem Haus der Labdakiden. König Laios hatte eine Untat begangen, was dazu führte, dass sein Sohn Ödipus unwissentlich seinen Vater erschlug und dass er seine Mutter Iokaste heiratete, ebenfalls unwissentlich. Er wurde der neue König von Theben und hatte mit Iokaste vier Kinder: zwei Töchter, Antigone und Ismene (die also zugleich die Schwestern von Ödipus und die Enkelinnen von Iokaste sind), und zwei Söhne, Eteokles und Polyneikes (zugleich die Brüder von Ödipus und die Enkel von Iokaste). Nach dem Tod von Iokaste und Ödipus wachsen die Kinder bei Kreon auf, dem Bruder ihrer Mutter. Die Söhne (Antigones Brüder und zugleich Neffen) sollen abwechselnd die Herrschaft innehaben, darüber sind sie jedoch zu Feinden geworden. Polyneikes wird verbannt; er sammelt Verbündete um sich und versucht, im Krieg der Sieben gegen Theben mit ihrer Hilfe die Stadt zu erobern. Bei der entscheidenden Schlacht vor den Toren Thebens töten sich die Brüder gegenseitig, und die Angreifer werden zurückgeschlagen. Nun übernimmt Kreon die Herrschaft, als nächster männlicher Verwandter der bisherigen Könige. Seinen Neffen Eteokles, der die Stadt verteidigt hat, lässt er den Sitten gemäß beerdigen. Den Leichnam des Polyneikes jedoch, der zum Feind der Stadt geworden war, lässt er vor den Toren der Stadt liegen und verbietet seine ordentliche Bestattung. Damit verwehrt Kreon dem toten Polyneikes den Einzug ins Totenreich. Die Einhaltung seines Verbots, das er mit der Strafandrohung einer Steoinigung verbunden hat, sichert eine Gruppe von Wächtern. An dieser Stelle setzt die Handlung ein.
 
Prolog

Antigone berichtet ihrer Schwester Ismene von Kreons Verbot, Polyneikes zu beerdigen; sie fragt sie, ob sie bereit sei, ihr bei der Bestattung zu helfen. Ismene lehnt das ab. Sie verweist auf Kreons Verbot und auf die schmähliche Strafe der Steinigung; die Aufgabe der Frauen bestehe nicht darin, sich den Männern und den Stärkeren zu widersetzen. Antigone erklärt Ismene, dass sie deren Entscheidung für falsch hält - die Gesetze der Unterweltgötter gebieten die Bestattung; Antigone versucht aber nicht, Ismene umzustimmen. Ismene ist klar, dass sie das Gesetz der unterirdischen Götter verletzt; dafür will sie sie um Verzeihung bitten. Antigone freut sich darauf, so sagt sie, nach der Tat zu sterben und mit ihrem lieben Bruder auf immer zusammenzuliegen. Ismene fordert Antigone auf, die Tat wenigstens heimlich zu begehen, Antigone weist das zurück. Ismene erklärt Antigone für unverständig.

1. Akt/Epeisodion

Kreon erklärt sich zum neuen Herrscher der Stadt, er beruft sich auf seine nahe Verwandtschaft mit den bisherigen Machthabern, Ödipus und seinen Söhnen. Das höchste Gut sei das eigene Vaterland, deshalb habe er befohlen, dass Polyneikes nicht bestattet werden dürfe. Der Chorführer erklärt sein Einverständnis: Kreon habe das Recht, einen solchen Befehl zu erlassen.

Ein aufgeregter und ängstlicher Wächter erscheint und berichtet, dass das Verbot übertreten worden ist. Die Leiche wurde mit Staub bedeckt, der Täter ist unbekannt. Ausführlich schildert er, eine komische Figur, wie sehr er fürchtet, für die schlechte Nachricht bestraft zu werden. Der Chorführer fragt vorsichtig, ob das göttliche Recht nicht möglicherweise doch die Bestattung gebiete. Zornig beharrt Kreon auf dem Verbot; er vermutet, dass derjenige, der es übertreten hat, dies für Geld getan hat. Die Bewacher der Leiche werden von ihm mit dem Tod bedroht: Falls sie den Schuldigen nicht schleunigst finden, sollen sie gekreuzigt werden. Mit einem Wortspiel versucht der Wächter, Kreon den Unterschied zwischen der Nachricht und dem Boten klarzumachen.

2. Akt/Epeisodion

Die Wächter haben Antigone am Grab des Polyneikes gefasst; einer von ihnen bringt sie zu Kreon. Er berichtet dem König, wie sie die Leiche mit Staub bedeckt hat und wie sie Polyneikes' Tod beklagt hat; er beschreibt, wie erleichtert er ist, selbst dem Unglück entronnen zu sein. Antigone gesteht ihre Tat ohne Umschweife. Sie beruft sich auf die ungeschriebenen Gesetze des Unterweltgottes. Diese verlangen, sagt sie, dass der Bruder bestattet wird, unabhängig davon, ob er Gutes oder Schlechtes getan hat; das Volk der Stadt sehe das genauso, wage aber nicht, das zu äußern. Wenn sie sterben müsse, sei das nur ein Gewinn, da sie ein Leben voller Leid gelebt habe. Kreon kritisiert ihre Starrheit und ihren Hochmut; nie werde eine Frau ihn beherrschen. Er lässt Ismene holen. Ismene erklärt, dass sie bereit sei, die Mitschuld auf sich zu nehmen. Von Antigone wird sie schroff zurückgewiesen.

3. Akt/Epeisodion

Es kommt zu einem Streitgespräch zwischen Kreon und seinem Sohn Haimon, dem Verlobten der Antigone. Haimon bekundet zunächst seinen Respekt gegenüber seinem Vater, berichtet dann, dass das Volk der Stadt das Mädchen bedaure, da sie eine rühmliche Tat begangen habe, und fordert Kreon schließlich dazu auf, seine Meinung zu ändern. Kreon erklärt, das hieße, diejenigen zu ehren, die die Ordnung verletzt haben. Da die Stadt das Eigentum des Herrschers sei, habe er allein das Recht, über Antigone zu entscheiden. Das Gespräch wird hitzig. Kreon wirft Haimon vor, sich dem Vater zu widersetzen, der Sklave einer Frau und ein Hohlkopf zu sein; Haimon setzt dagegen, dass die Stadt nicht einem einzigen Mann gehöre, dass Kreon das Recht der Unterweltgötter verletze und dass er verrückt sei. Wenn Antigone sterbe, werde auch er, Haimon, sterben; Kreon werde ihn nie wiedersehen. Kreon verfügt, Antigone lebendig in eine Grabkammer einzusperren, und verhöhnt sie: In diesem Grab könne sie Hades anbeten, den Gott der Unterwelt, den einzigen Gott, den sie verehre.

4. Akt/Epeisodion

Der vierte Auftritt enthält Antigones Totenklage. Sie beklagt, dass sie unverheiratet in den Tod geht. Der Chorführer antwortet, dass sie berühmt sei, dass sie gelobt werde und dass sie autonom, sich selbst das Gesetz gebend) in den Hades gehe. Sie vergleicht ihr Schicksal mit dem von Niobe, die in einen Fels verwandelt wurde. Der Chorführer erwidert, es sei etwas Großes, wie eine Göttin zu sterben; Antigone fühlt sich dadurch verspottet. Der Chorführer bringt in Erinnerung, dass sie dem Fluch der Labdakiden zum Opfer gefallen ist; Antigone spricht von den Verbrechen des Ödipus. Kreon tritt auf und drängt die Wächter, Antigone schneller ins Grab zu bringen. Sie erklärt, dass sie sich auf das Totenreich freue, da sie hoffe, dort ihre Eltern und Brüder wiederzusehen. Das, was sie für ihren Bruder tat, hätte sie niemals, so sagt sie, für ihren Ehemann oder für ihre Kinder getan; diese seien ersetzbar – sie könnte einen anderen Mann heiraten und mit ihm andere Kinder haben -, den Bruder aber könne sie, da Vater und Mutter tot sind, nicht ersetzen.

5. Akt/Epeisodion

Von einem Knaben geführt, betritt der blinde Seher Teiresias die Szene und berichtet Kreon von schlechten Zeichen: Die Vögel sind aggressiv, und von den Altären steigt das Feuer nicht mehr in die Höhe - die Götter nehmen die Gebete und die Opfer nicht mehr an. Der Grund, so sagt er, liegt darin, dass die Altäre besudelt sind von Leichenteilen von Polyneikes, die von Vögeln und Hunden dorthin geschleppt worden sind. Der Seher fordert Kreon auf, Polyneikes beerdigen zu lassen. Kreon beharrt auf dem Verbot und verdächtigt Teiresias, bestochen worden zu sein. Beide geraten in Zorn. Teiresias sagt Kreon voraus, dass er nicht mehr lange zu leben habe, und dass die Unterweltgötter einen von seinen Blutsverwandten sterben lassen werden, zur Strafe für das Unterlassen der Beerdigung. Der Chorführer ist sich mit dem König darin einig, dass die Voraussagen von Teiresias, seit er alt ist, immer gestimmt haben. Der Chorführer rät Kreon, Antigone aus der Gruft zu holen und Polyneikes zu bestatten. Kreon stimmt zu, was ihn große Überwindung kostet, und zieht los, um Antigone zu befreien.

Schlussszene/Exodos

Ein Bote berichtet, dass Kreon etwas Schreckliches zugestoßen ist, Kreon sei jetzt ein „lebendiger Toter“ Im Wechselgespräch mit dem Chorführer erzählt der Bote, dass Haimon sich, aus Zorn über den Vater "wegen des Mordes", umgebracht hat. Eurydike kommt hinzu, Kreons Ehefrau und Haimons Mutter, und der Bote schildert ihr die Einzelheiten. Er hatte zunächst mit Kreon Polyneikes beerdigt und war dann mit ihm zu Antigones Grabbau gegangen. Im Grab sehen sie Antigone, die sich aufgehängt hat, und sie finden Haimon, der sie an der Hüfte umschlingt und den "Verlust des Bettes" und die Tat des Vaters beklagt. Haimon zieht das Schwert gegen Kreon, verfehlt ihn, stürzt sich dann, rasend über sich selbst, in sein Schwert, klammert sich an die tote Antigone und stirbt. Nach diesem Bericht geht Eurydike ins Haus. Die anschließende Stille ist dem Boten und dem Chorführer unheimlich. Die Bahre mit Haimons Leiche wird hereingetragen, Kreon wirft sich über sie und bleibt gebrochen und allein zurück.

Die großartige Besetzung:

  • Antigone - Juliette Binoche
  • Ismene - Kirsty Bushell
  • Eurydike - Kathryn Pogson
  • Kreon - Patrick O'Kane
  • Haimon - Samuel Edward-Cook
  • Wächter - Obi Abili
  • Teiresias - Finbar Lynch

ALLE Darsteller waren ausnahmslos hinreißend, perfekt und total klasse. Eine perfekte Besetzung, auch wenn ich keinen Vergleich habe. Das Dargebotene ließ für mich keinerlei Wünsche offen. Ein super toller Theaterabend, den ich jederzeit wiederholen würde. Das hat sich in jedem Fall mehr als gelohnt!

27. Mai 2015, Der Vater von Florian Zeller, RFS

Dieses Theaterstück handelt von einem an Alzheimer erkrankten alten Mann; man sieht alles aus der Perspektive seines erkrankten Gehirns und ist mitunter auch als Zuschauer verwirrt, Realität und Irrbilder vermischen sich. Man sieht die Stationen von der zunächst leichten Demenz bis hin zur fast völligen geistigen Umnachtung. Es werden sämtliche Stimmungen gezeigt von klaren Momenten, mit Humor gespickt, dass man auch mal unfreiwillig lachen muss, bis zur Aggressivität, Verzweiflung, der Kranke fühlt sich bedroht, bestohlen und hintergangen. Er erkennt seine nächsten Angehörigen nicht mehr - der Zuschauer sieht dann zur Verdeutlichung eben andere Schauspieler. Viele von uns kennen das sicher aus eigener leidvoller Erfahrung mit Angehörigen, Freunden etc.

Die Regie hat das geschickt gelöst mit beweglichen Elementen - Wände verschieben sich, Möbel werden weggeräumt, dazugestellt. So sieht man immer wie der Kranke seine Umwaelt gerade wahrnimmt.

Das war super gut.

Und dann diese perfekte, grandiose und hinreißende Besetzung, die keinerlei Wünsche offen ließ:

  • André - Volker Lechtenbrink
  • Anne - Johanna Christine Gehlen
  • Pierre - Stephan Schad / Patrick Heyn
  • Laura - Victoria Fleer
  • Krankenschwester - Anne Weber

Das war absolut top, vor allem natürlich Volker Lechtenbrink. Es gab am Schluss spontan standing ovations und riesigen Applaus. Eine hinreißende und grandiose Leistung aller Darsteller. Man wurde als Zuschauer in alle Stimmungen mit einbezogen. Kann ich nur empfehlen!

31. Mai 2015, Madame Bovary, von Albert Ostermaier nach Gustave Flaubert, RFS

Natürlich war mir dies Stück dem Namen nach bekannt, gesehen hatte ich es noch nicht. Ich nutze immer die RFS, um mich bekannten Theaterstücken zu nähern.

Madame Bovary erzählt von Emma, einer jungen Frau vom Land, die sich von der Heirat mit einem Arzt, der sie aus der Provinz mit in die Stadt nimmt, einen gesellschaftlichen Aufstieg. Ihre Hauptbeschäftigung ist das Lesen romantischer Kitschromane, und sie identifiziert sich so sehr mit ihren Heldinnen, dass sie in einer eigenen Welt fern jeglicher Realität lebt. Sie träumt fortwährend von einem Leben, in dem verwöhnte und reiche Damen in schicken Kleidern sich von edlen Rittern den Hof machen lassen. Sie muss aber feststellen, dass ihr Mann, ein Arzt, zwar durchaus wohlhabend ist, aber für ihre Begriffe auch entsetzlich langweilig. Es gibt keine Empfänge, keine Partys, er kennt nur seine Arbeit. Seine Mutter hat schnell begriffen, wen er sich da ins Haus geholt hat und mäkelt ständig herum. Emma wird immer exaltierter und wird krank, mal ist sie oben auf, mal hysterisch und von allen möglichen Krankheiten geplagt. Sie leidet an Langeweile und ist ihr Leben mit ihrem Mann überdrüssig. Auch die Geburt der Tochter Berthe ändert nichts an ihren hysterischen Zuständen.

Aus Sorge um ihren Gesundheitszustand sucht ihr Mann ein neues Haus in einer anderen Umgebung und hofft, dass ihr das gut tun wird. Man freundet sich mit dem Apotheker Homais und dessen Familie an, im gleichen Haus wohnt Léon Dupuis, ein Kanzlist. Da er sich auch für Literatur und Musik interessiert, sieht Emma darin eine Seelenverwandtschaft. Als Léon aber aus beruflichen Gründen nach Paris zieht, verzehrt sie sich vor Sehnsucht nach ihm und erkrankt natürlich wieder einmal. Sie steigert sich daraufhin in eine Luxussucht hinein und verschuldet sich bei dem Händler Lheureux immer mehr. Er ist aber auch sehr raffiniert und macht es ihr sehr leicht immer mehr zu kaufen, ohne zu bezahlen. Noch zählt ihr guter Name.

Dann lernt sie den Grundbesitzer Rudolphe Boulanger kennen und lässt sich von ihm verführen. Natürlich ist es für sie mal wieder die ganz große Liebe, während er bloß einen netten Zeitvertreib in der Affaire sieht. Sie verschuldet sich weiter, indem sie ihrem Geliebten teure Geschenke macht. Nach dem Tod des Schwiegervaters, wovon auch Lheureux erfährt, schreckt sie nicht davor zurück ihrem Mann eine Generalvollmacht abzuschwatzen, wodurch sie weiter im Luxus schwelgen kann.

Nachdem Rudolph vor ihr die Flucht ergreift, wird sie mal wieder krank. Charles fährt mit ihr zur Abwechslung nach Rouen ins Theater, wo man auf Léon trifft. Emma beginnt eine leidenschaftliche Affaire mit ihm, ihrem Mann lügt sie vor, Klavierstunden zu nehmen. Mittlerweile hat Lheureux die Nase voll von ihren ständigen Wechseln, denn irgendwann will auch der geduldigste Händler mal Bares sehen. Also gibt er die Wechsel weiter, den Bovarys droht die Pfändung. Noch schafft es Emma Charles dieserhalb zu belügen und die Wahrheit vor ihm geheim zu halten. Seine Mutter hat das aber längst herausgefunden. In ihrer Not wendet sich Emma erst an Léon, dann an Rudolphe, die ihr aber beide nicht helfen können bzw. nicht helfen wollen. In ihrer Verzweiflung entwendet Emma dem Apotheker Homais den Schlüssel zu dessen Giftschrank und nimmt das Arsen an sich, womit sie sich vergiftet und nach einem grauenvollen Todeskampf stirbt.

Charles bleibt alleine und verzweifelt zurück.

Dies wird im Stück nicht behandelt, sollte aber dennoch erwähnt werden: Charles findet die Liebesbriefe Emmas von Léon und Rudolphe und ist endgültig am Ende. Er wird gepfändet, so dass Berthe und er verarmt und im Elend leben müssen. Charles geht daran zugrunde, Berthe lebt zunächst bei seiner Mutter, nach deren Tod bei einer verarmten Tante, die sie in eine Baumwollweberei zum Geldverdienen schickt.

Ein sehr dramatisches Stück, dass vor allem der Hauptdarstellerin alles abverlangte.

Die Inszenierung - eine Koproduktion mit dem Residenzthea<ter in München, war extrem spartanisch: man kam gänzlich ohne Requisiten aus, die Schauspieler standen auf einer sich immer wieder rotierenden eckigen Platte und mussten einiges an "Kletterkünsten" bewältigen, wenn sie die Platte verließen, um nach unten in die Tiefen zu entschwinden oder die Bühne so betreten wollten. Die Kostüme waren normale Kleidung, aber dafür wenigstens schick. War mir aber nicht so wichtig, denn mich faszinierte das Stück und das Agieren der super tollen Darsteller, die allesamt perfekt und klasse waren:

  • Emma Bovary - Sophie von Kessel
  • Charles Bovary - René Dumont
  • Madame Bovary - Gabriele Dossi
  • Monsieur Homais - Thomas Gräßle
  • Léon Dupuis - Thomas Lettow
  • Rudolphe Boulanger - Bijan Zamani
  • Monsieur Lheuruex - Wolfram Rupperti
  • L'Abbé Bounisien - Alfred Kleinheinz

Jeder für sich spielte seine Rolle super, ausdrucksstark und sehr überzeugend, wobei Sophie von Kessel sicher am meisten abverlangt wurde. Das war ganz großes Theater, jeder Zoll ein Profi, was man natürlich auch von den anderen Darstellern sagen muss. Einfach toll. Hat mir sehr gut gefallen!

05. Juni 2015, Wings, Theater Marl, RFS

Wir wussten nicht so recht, was uns hier erwartete, nur dass es um Artistik ging. Diese Artistentruppe kam aus der Schweiz. Was wir geboten bekamen, war eine Mischung aus Akrobatik mit und ohne Geräte, Tanz, Ballett, Stepptanz, moderner Tanz. Man nahm bisweilen Utensilien, die eher ungewöhnlich waren, so zum Beispiel wurde ein großer Vogel mit weiten Schwingen simuliert, den eine Künstlerin bediente und darauf ihre akrobatischen Kunststücke vorführte. Es gab natürlich auch ein vertikales Seil, das man ja kennt, aber eben vieles, was eher ungewöhnlich erschien. Man sah blaue Kugeln, die an langen Drähten hingen in unterschiedlicher Größe, und die Artisten bewegten sich geschickt darunter hinweg. Das Ganze wurde von teilweise mystischer Musik begleitet, dann mal wieder fetzig, leicht klassisch, sehr modern. Alles wirkte sehr ästhetisch, fein, sehr schön und angenehm. So hatte ich Zirkus/Akrobatik noch nicht erlebt. Am Ende wurden weiße Federn ins Publikum gepustet. Es war, wie der Name des Programms schon aussagt, alles federleicht und fast schwerelos.

Wir hatten einen ungemein bezaubernden und wunderschönen Abend!

06. Juni 2015, Lesung mit Hannelore Elsner, Großes Haus, RFS

Ich freute mich schon sehr, diese wunderbare Künstlerin zum wiederholten Male live zu erleben. Heute wieder eine Lesung, und zwar "das Parfum von Patrick Süskind". Der Film langweilte mich seínerzeit, aber wenn Frau Elsner ruft, dann komme ich. Und wie sie wieder las, es war nur schön, sie hätte auch aus dem Telefonbuch von Timbuktu vorlesen können, man hätte gebannt an ihren Lippen gehangen. So wie sie das Ganze vortrug, hörte sich der Inhalt der Geschichte durchaus spannend an. Vielleicht schaue ich mir den Film jetzt ja doch nochmals an.

Allein auch ihre Erscheinung ist immer wieder eine Augenweide, und man freut sich ehrlich sie zu sehen. Eine ganz wunderbare Künstlerin, die ich sehr schätze und mag! Ein toller Abend!

13. Juni 2015, Die Flucht nach Ägypten von George Tabori, kleines Haus, RFS

Ich gebe gerne zu, dass ich dieses mir bislang unbekannte Stück nur wegen Heikko Deutschmann gebucht hatte. Er begeisterte mich schon vor Jahren bei einer Lesung von John Steinbeck. Und ich sehe ihn sehr gerne im Fernsehen.

Diese tragische und sehr traurige Geschichte rankt sich um eine Familie aus Wien, den Engels, die den Kriegstrümmern in Europa entflohen und nun in einem Hotel in Ägypten gestrandet sind. Seit Monaten warten sie auf das begehrte Visum, das ihnen die Ausreise ins gelobte Land Amerika ermöglicht. Franz Engel, der Vater und Ehemann, ist durch einen Aufenthalt im Konzentrationslager körperlich ein Wrack und kann sich eigentlich um nichts kümmern. (Der Grund für seinen Aufenthalt im KZ: man hatte eine jüdische Bedienste, die man erfolgreich versteckte, bis es dann doch durch einen dummen Zufall herauskam. Die Frau wurde getötet, Franz kam ins Konzentrationslager für zwei Jahre). Das Organisieren des Lebens obliegt seiner Frau Lili. Da sie Daheim alles verloren und sicher ihr letztes Geld für die Schiffspassage verbraucht haben, sind sie mittellos in diesem fremden Land. Dem Hotelier schulden sie schon seit zwei Monaten das Geld, Schulden haben sich auch anderswo angehäuft. Lili versucht mit Näharbeiten für reiche Frauen Geld hereinzubekommen, und sie ist sich auch nicht zu schade, reiche Männer anzubetteln, notfalls unter Einsatz ihres Körpers, was die Herrschaften auch gerne annehmen. Ihr Sohn Bubi ist inzwischen auch recht geschickt an kleines Geld zu kommen. Franz bekommt das nicht mit. Dann endlich kommt der ersehnte Anruf vom Konsulat, man ist "dabei". Der Konsul bespricht mit Lili alles Notwendige und erfährt auch, dass Franz sehr krank ist, was Lili versucht herunterzuspielen. Beim Besuch des Amtsarztes spielt Franz ihnen eine Komödie vor, aber dem Arzt kann er nichts vormachen. Sein behandelnder Arzt im Hotel hatte noch im Vorfeld versucht zu retten, was zu retten war, vergeblich. Nun ist klar, Franz bekommt kein Visum, Amerika will nur junge und tatkräftige Menschen, keine, die krank sind und nur als Last empfunden werden. Man bietet Lili an, ihr und Bubi ein Visum zu bewilligen. Das ist hart für sie und zunächst nicht zu akzeptieren. Nachdem sie ins Gespräch gekommen ist mit einem jungen Landsmann, der geschäftlich in Ägypten ist, wird ihr immer mehr klar, dass sie eigentlich nicht auswandern möchte und doch noch an ihrer Heimat hängt, das aber traut sie sich nicht Franz zu sagen, da der ja unbedingt weg möchte. Auch Bubi will lieber nach Hause. Der Hotelier klärt Franz sehr deutlich darüber auf wie die Lage der Familie ist, was Franz zutriefst bestürzt. Der Hotelier bietet ihm an, ihm die Schiffspassage abzukaufen, damit könnten die Schulden beglichen werden. Zunächst ist Franz empört und total dagegen, verspricht er sich doch von dem Neuanfang so viel. Aber ihm wird immer mehr klar, dass er ja kein Visum bekommen wird. Als auch noch sein Arzt ihm überdeutlich vor Augen führt wie es wirklich um ihn steht (ich vermute mal, Franz leidet an ALS oder einer ähnlichen Krankheit), wird ihm klar, esr muss handeln. Er verkauft schweren Herzens dem Hotelier seine Schiffspassage, begleicht überall die Schulden. Dann übergibt er Bubi eine Aktentasche mit Erinnerungsstücken und bittet ihn auf Lili gut aufzupassen. Er würde schon später nachkommen, wenn er wieder genesen sei, für ihn sei gut gesorgt. Zwschenzeitlich hat sich Lili aber entschieden bei Franz zu bleiben und bittet ein befreundetes Ehepaar aus Wien sich Bubis anzunehmen, was diese auch sehr gerne tun. Man nimmt erst einmal Abschied. Franz missfällt das Ganze natürlich, und er überzeugt Lili, mit Bubi zusammen das Land zu verlassen. Er käme dann später nach. Nachdem er alles geklärt hat, verabschiedet er sich. Er entfernt sich. Lili und Bubi wollen zurück nach Wien. Durch Verkauf ihrer Passagen (was man nicht sieht, aber sich ja denken kann) und mit Hilfe des Landsmanns werden sie erst einmal genug haben für einen Neuanfang. Dann fällt ein Schuss: Franz hat sich das Leben genommen.

Eine tragische Geschichte.

Aber natürlich gab es noch andere Figuren: eine überdrehte Kundin Lilis, die schlussendlich das bestellte Kleid nicht abnimmt, was diese dann aus der Not heraus für kleines Geld verkauft, um wenigstens mal wieder etwas Geld in die Familienkasse zu bekommen. Dann dieses rundliche Ehepaar aus Wien, das optisch sehr merkwürdig daherkommt aber um einen würdevollen Auftritt bemüht ist. Sie kümmerten sich um Bubi. Weiterhin der Leibarzt von Franz, der Hotelier, einen ständig staubwedelnden Diener, ein französischer Soldat und ein österreichischer Geschäftsmann.

Die Stimmung der unterschiedlichen Gäste und das orientalische Ambiente in diesem Hotel kamen gut herüber. Man bediente sich einer schwarzen Drehscheibe, auf welcher die einzelnen Räumlichkeiten durch sparsames Mobiliar gestellt waren, und so konnte man durch Drehen der Scheibe schnell einen Szenenwechsel vornehmen: Lobby des Hotels, Zimmer der Engels, etc. Alles war dunkel gehalten, nur die jeweiligen Darsteller der aktuellen Szene waren von einem Scheinwerfer beleuchtet. Man hatte an alles gedacht, sogar zu Beginn an den Ruf des Muezzin.

Am Ende gab es riesigen Applaus eines begeisterten Publikums. Alle Darsteller, und das wirklich ohne Ausnahme, waren hinreißend und total überzeugend. Die 130 Minuten ohne Pause kamen einem nie lang vor. Ein äußerst berührender Theaterabend.

Nachstehend die in allen Belangen absolut hinreißende und perfekte Besetzung:

  • Glubb, der Hotelbesitzer - Marco Lorenzini
  • Hassan, ein sudanesischer Diener - Arash Marandi
  • Ghoulos, ein buckliger Arzt - Ulrich Kuhlmann
  • Tewfik Bey, ein Polizist - Raoul Schlechter
  • Lili Engel, eine hübsche zarte Wienerin - Tatjana Nekrasov
  • Franz Engel, Lilis Ehemann - Heikko Deutschmann
  • Bubu Engel, ihr Sohn, neun Jahre alt - Yuri Schmitz
  • Miss Foster, eine Kundin Lilis - Maria Gräfe
  • Herr und Frau Kugelhof, ein beleibtes Paar - Roger Seimetz und Maria Gräfe
  • Hauptmann Fleure, ein französischer Offizier - Serge Wolf
  • Stefan Freund, ein sympathischer junger Wiener - Maik Solbach
  • Mr. Bronson, der junge Vizekonsul - Marc Limpach
  • Dr. Lipton, ein Amtsarzt - Serge Wolf

Ja, und damit sind die diesjährigen Ruhrfestspiele zu Ende, und ich freue mich natürlich auf die nächsten Festspiele ab Mai 2016.

Ein dickes Danke an alle Beteiligten, die uns so tolle Abende beschert haben. Tschüss bis nächstes Jahr

 

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